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Kolumne

«Magnificat anima mea Dominum...»
von Regula Eschle Wyler

so beginnt das älteste Adventslied, der Lobgesang der Maria (Lukas 1,46-55). «Magni-ficat» heisst «gross machen». Maria singt das Loblied bei der Begegnung mit ihrer Verwandten  Elisabeth, die mit Johannes dem Täufer schwanger ist: «Meine Seele preist den HERRN!» Maria  steht  zwar  im Vordergrund, aber im Mittelpunkt ihres Lob- und Dankgesangs steht die Grösse und Unbegreiflichkeit des barmherzigen Gottes.  Maria bezeugt  ihren Glauben mit Begeisterung.  Sie besingt Unbegreifliches, das wir mit dem Verstand nicht erfassen können. «Dieses Lied der Maria ist das leidenschaftlichste, wildeste, ja man möchte fast sagen re volutionärste Adventslied, das je gesungen wurde», schrieb Dietrich Bonhoeffer. «Es ist nicht die sanfte, zärtliche, verträumte Maria, wie wir sie auf Bildern sehen, sondern es ist die leidenschaftliche, hingerissene, stolze, begeisterte Maria, die hier spricht.»

Maria singt davon, dass die Welt nicht so bleibt wie sie ist, dass  Gott die Niedrigen erhebt und den Hungernden Brot gibt, dass er den Geschundenen Heimat gibt und die Reichen leer ausgehen lässt. Maria besingt das Wunder  der Umkehrung aller Werte, das Geheimnis der Macht  in der Ohnmacht.  Sie besingt, dass Gott  sich so klein macht, dass er als Mensch geboren wird.

«Meine Seele erhebt den  HERRN», singt Maria und stellt uns damit die Frage, wer oder was wir in unserem Leben gross machen.  Welche Erwartungen haben wir? Was erhoffen wir uns? Vertrauen wir darauf, dass Gott Grossartiges tut, völlig Unerwartetes,  auch heute, auch in unserem Leben?

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