«Weihnachtszopf»
von Sandra Vetsch

Eine innere Unzufriedenheit machte sich breit, eine Sehnsucht nach etwas anderem wollte gestillt werden. Es sollte kein gekaufter Zopf mehr sein, selber wollte ich ein ineinander geknotetes Brot backen. Ich gab alle Zutaten in eine Schüssel, Bibel, Menschen, Tiere, Pflanzen, Erde, Naher Osten, Israel, Berge, Täler, Meere, Seen, Flüsse, Wüste, Steine, Geschichte, Archäologie, Wissenschaft, Tempel, … , und knetete den Teig gründlich durch.

Zugedeckt stellte ich das Gefäss in eine Ecke und widmete mich anderen Dingen. Der Teig blieb aber nicht wie er war, er begann sich auszudehnen, wurde grösser und grösser und nahm immer mehr Raum ein. Als die Masse dann den Schüsselrand zu überquellen drohte, wusste ich, dass sie eine Weiterverarbeitung durch mich einforderte. Zwei lange Stränge formte ich mit meinen Händen und legte sie in einem rechten Winkel übereinander. Ein Kreuz entstand. Das Herz des Kreuzes, der Schnittpunkt, bildete den Anfang meines Zopfes. Bis zum äussersten Ende legte ich die Stränge der Reihe nach in- und übereinander. Nach einer Ru- hephase in der Kühle, einem sonnigen Anstrich und einer Läuterung in der Hitze konnte ich mein Weihnachtsbrot aus dem Ofen nehmen. Alle Zutaten waren zu einer vollkommenen, untrennbaren Einheit verschmolzen.

Ein HERRlicher Duft breitete sich aus. Im Wissen darum, dass auch Ihr Zopf den Ofen als Wunderwerk verlassen wird, wollen wir alle backen und fei- ern. Feiern unseren Erlöser, der vor gut 2000 Jahren geboren wurde, für Ihn wollen wir ein «Wohlgeruch» sein, für Ihn unsere Stuben mit HERRlichem Duft erfüllen, heute, morgen, jeden Tag, als Nahrung für uns und unseren Nächsten. Gesegnete Weihnachten!